Nachwuchsförderung digital – das können KMU von den Landfrauen lernen

Nachwuchsförderung digital – das können KMU von den Landfrauen lernen

Marlene Borchardt

Julia Nissen digitalisiert die Landfrauen im Norden. (Bild: Anna Huber Fotografie )

(2019) Mit neuer Technik zum Erfolg. Der digitale Wandel krempelt ländliche Regionen um – und bietet auch für das Ehrenamt neue Chancen. Die Landfrauen im Norden leisten dabei Pionierarbeit, an der sich auch KMU orientieren können.

Junge Leute zieht es in die Stadt, da ist das Leben digital und aufregend – und das Land bleibt auf der Strecke. Wer das wirklich glaubt, hat noch nie mit Julia Nissen gesprochen – sie warb binnen weniger Tage 400 mögliche neue Landfrauen über soziale Medien.

Landfrauen, das klingt nach Kuchenbacken, Apfelernte und Stricken. Tatsächlich sind sie viel mehr als das: „Landfrauen sind der Motor des ländlichen Raums“, sagt Julia Nissen. „Sie vernetzen und schaffen Synergien.“ Die 31-Jährige lebt in Bargum in Nordfriesland, bloggt als „Deichdeern“ und teilt ihre Inhalte auch auf Instagram und Facebook mit insgesamt 15.000 Followern.

Ursprünglich entstand die Verbindung der Landfrauen in der Landwirtschaft, mittlerweile gehören Frauen aus allen Berufen dazu. Deutschlandweit engagieren sich 500.000 Frauen  (LandFrauen SH) – nur mit dem Nachwuchs gestaltet es sich komplizierter. Der Verein hat Schwierigkeiten jüngere Frauen für sich zu begeistern. „Das normale Landfrauen Einstiegsalter ist 50+“, sagt Julia Nissen. Und das obwohl die Themen, die die Landfrauen bearbeiten, weiterhin aktuell sind. So kümmern sie sich um gesellschaftliche Teilhabe, organisieren Feste und setzen sich für Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen ein.

Neue Wege in der Kommunikation beschreiten
Im vergangenen Frühjahr kam Julia Nissen auf die Idee, junge Frauen in Nordfriesland miteinander zu vernetzen, genauer: Eine Untergruppe der Kreislandfrauen zu gründen. „Das Bedürfnis ist ja da“, sagt sie. Das merke sie über die Fragen auf ihrem Blog und in den sozialen Medien. Besonders Zugezogene hätten es schwer Anschluss zu finden. „In Nordfriesland ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass man erst andere junge Frauen kennenlernt, wenn man Kinder hat“, sagt sie. Deshalb wandte sie sich an den Vorstand der Landfrauen in ihrem Ort Bargum. Doch der dicke Landfrauen-Ordner mit einer Anleitung, um junge Frauen anzusprechen, konnte ihr da nicht wirklich weiterhelfen.

Mit einem Instagram-Video vernetzt
Soweit, so analog. Nissen ließ den Ordner liegen, schnappte sich ihr Smartphone und quatschte in die Handy-Kamera, um ihr Vorhaben mit ihrer Netzgemeinde bei Instagram zu teilen. „Wer Bock hat, neue Frauen aus Nordfriesland kennenzulernen und nicht das erste Kind samt Geburtsvorbereitungskurs abwarten möchte, dem verrate ich ein neues Netzwerk: die Jungen Landfrauen NF.“ Und schon einige Wochen später saßen rund 70 junge Frauen gemeinsam in Julias Garten um sich kennenzulernen und Pläne zu schmieden. Schnatternd, knabbernd, Bowle schlürfend und Blumenkränze bindend. Danach tauschten sie sich weiter in einer Facebook-Gruppe aus, blitzschnell fand sich ein Orga-Team, dass dann gemeinsam einen Plan für die Aktivitäten der jungen Frauen erstellte. Mit ihrer Neugründung wirkt sie auch dem Vereinssterben entgegen.

Mittlerweile veranstalten Julia und ihr Team der jungen Landfrauen auch Tanzabende oder Kulturelles. Eingeladen wird via Facebook. Zum Beispiel zu einer Lesung: Erotische Literatur auf platt. Und das finden auch die älteren Landfrauen gut.

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SHZ – Schleswig-Holstein

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