Effektive Programme für Videokonferenzen

Effektive Programme für Videokonferenzen

Kirsten Stünkel

700 Millionen NutzerInnen verwenden Facebook zur Videotelefonie. (Foto: picture alliance/dpa)

(Mai 2020) Teams, Jitsi, oder Zoom – es gibt vielfältige Möglichkeiten, sich visuell miteinander zu vernetzen. Doch welche Faktoren sind bei der Auswahl der Programme zu beachten, und welche Anwendung bietet aktuell die besten Rahmenbedingungen für eine Videokonferenz? Der folgende Überblick hilft bei der Auswahl.

Bei der Auswahl der Werkzeuge wurden folgende Faktoren betrachtet:

  • Bild- und Gesprächsqualität
  • Möglichkeit von mehreren TeilnehmerInnen, Hinzufügen von externen Gästen
  • Die Möglichkeit, die Bildschirmansicht zu teilen und eine zusätzliche Chatfunktion 
  • Schnelle Einrichtung
  • Einfache Bedienung 
  • Übersichtliche Gestaltung
  • Kosten

Einen Überblick über die gängigsten Anwendungen erhalten Sie hier:

Meet als Teil der G Suite von Google

Bild- und Gesprächsqualität sind bei dieser Anwendung solide. Die mögliche Teilnehmerzahl variiert normalerweise in unterschiedlichen Lösungen der G Suite – von einer Teilnehmerzahl bis zu 100, oder gar 250. Meet ist dabei nur eines der vielen Werkzeuge aus der G Suite, welches als umfangreiches E-Mail- und Office-Paket bekannt ist. Aktuell ermöglicht Google jedoch Nutzern der G Suite, oder der G Suite Education Videokonferenzen mit bis zu 250 Personen und Livestreams mit bis zu 100.000 Zuschauern. Generell ist das Teilen des Bildschirms und eine Chatfunktion vorhanden sowie auch die Teilnahme von Externen über einen Einladungslink. Die Einwahl über ein Telefon ist ebenfalls möglich. Die Anwendung erfordert etwas Aufmerksamkeit bei der Einrichtung, die einfache Bedienung später kann dies jedoch wieder wettmachen.

Update: Nun veröffentlichte Google außerdem eine Bekanntmachung – die Anwendung soll in den kommenden Wochen für alle NutzerInnen freigeschaltet werden. Die kostenlose Variante von Meet kann – mit einem Google-Konto als Voraussetzung – mit bis zu 100 TeilnehmerInnen genutzt werden. Nun bereits verfügbar ist eine neue Bildschirm-Funktion, bei der bis zu 16 TeilnehmerInnen gleichzeitig übersichtlich in Kacheln eingeblendet werden können. Zukünftig soll es außerdem eine Funktion geben, um schlechte Lichtverhältnisse auszubessern, und eine, um Störgeräusche zu verringern.  

> Je nach Funktionsumfang ist Meet kostenfrei oder für 4,68 Euro im Basis-Tarif erhältlich.

Microsoft Teams

Wer ohnehin Microsoft-Produkte nutzt, ist hier gut aufgehoben. Denn Microsoft Teams ermöglicht nicht nur Videokonferenzen und Chats mit mehreren Teilnehmern, sondern auch den Zugriff auf andere Produkte des Microsoft Office 365 Pakets. Über Bild- und Tonqualität dieses Programms gibt es unterschiedliche Meinungen, am besten integriert es sich in eine bestehende Umgebung aus Microsoft-Produkten. Mit einer Lizenz für das Office 365-Paket ist Microsoft Teams bereits vorhanden. Sollte Ihr Unternehmen keine Lizenz für Teams haben, gibt es aktuell von Microsoft ein kostenloses Office 365 E1-Angebot in Absprache mit einem Microsoft Partner. 

Update: Bei Teams gibt es nun die Möglichkeit, das Gespräch für alle TeilnehmerInnen zu beenden, dies soll für LehrerInnen beispielsweise hilfreich sein. Außerdem können Anrufer nun direkt an Besprechungen teilnehmen, ohne vorher im virtuellen Wartebereich platziert zu werden. Darüber hinaus sollen nun bald bis zu 9 TeilnehmerInnen parallel in einer Videokonferenz einzublenden sein.

> Kostenlos / Im Abo-Modell

Facebook 

Facebook soll mittlerweile fast 1,9 Milliarden NutzerInnen weltweit haben, mehr als 700 Millionen NutzerInnen sollen laut Facebook außerdem täglich den Messenger und Whatsapp für Video-Chats nutzen. Daher veröffentlichte Facebook kürzlich “Messenger Rooms”, welches nach und nach weltweit verfügbar sein soll mit Möglichkeiten, 50 TeilnehmerInnen zu vereinen – und das zeitlich unbegrenzt. Darüber hinaus erweitert Facebook die Teilnehmer-Zahl von Videochats auf Whatsapp auf 8 TeilnehmerInnen. In einem Interview mit “The Verge” sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg, dass sich der Trend zu Videokonferenzen auch nach der Krise fortsetzen würde.

> Kostenlos

Zoom

Der aktuelle Shooting-Star unter den Videokonferenz-Tools bietet eine gute Gesprächs- und Bildqualität, ist einfach zu bedienen und schnell eingerichtet. Die kostenlose Version von Zoom ermöglicht Gruppenkonferenzen, ist jedoch zeitlich ab drei Personen auf 40 Minuten limitiert. Das Teilen der Bildschirmansicht und chatten ist ebenfalls möglich, die Bilder von Gesprächspartnern sind übersichtlich gestaltet. 

Update: Bereits im März wurde die Anwendung bezüglich Sicherheitslücken stark kritisiert. Zoom-Chef Eric Yuan will sich jedoch nun, laut Berichten der New York Times, weniger um die Konkurrenz, sondern stärker auf seine NutzerInnen fokussieren. 

> Im Abonnement ist die Anwendung monatlich ab 13,99 Euro verfügbar. Einzelne Zusatzfunktionen sind individuell zubuchbar.

Jitsi

Das Programm mit offener Quelle hat Videotelefonie- und Chat-Funktionen und ist direkt über den Internetbrowser oder Apps nutzbar. Das Teilen der Bildschirmansicht und das Hinzufügen von mehreren TeilnehmerInnen ist ebenfalls möglich. Die Bild- und Tonqualität wird unterschiedlich wahrgenommen, auf der Plattform Chip erntete das Tool 4,6 von 5 Sternen. Der größte Vorteil von Jitsi: Es ist rundum kostenfrei und versierte NutzerInnen können sich einen eigenen Server einrichten.

> Kostenlos

Slack

Eigentlich ist Slack hauptsächlich für Gruppen-Chats bekannt. Ein modernes Unternehmens-WhatsApp sozusagen: In Direktnachrichten und Gruppenchats kann sich ausgetauscht werden. Auch bei dieser Anwendung sind Videokonferenzen möglich – die Bild- und Gesprächsqualität ist gut.

Das Programm bietet in seiner “Standard”-Version für kleine und mittlere Unternehmen auch die Videokonferenz-Funktion ab 6,25 Euro pro Person mit Bildschirmfreigabe, die kostenlose Version von Slack ermöglicht dagegen keine Bildschirmfreigabe und nur Videogespräche mit einzelnen GesprächspartnerInnen. Darüber hinaus ist die Einbettung des Videokonferenz-Programms Zoom möglich: so kann der Funktionsumfang von Zoom auch über Slack genutzt werden. Wer ohnehin schon Slack zur Kommunikation nutzt, hat im Standardmodell mit der Videofunktion die Kommunikation (fast) an einem Ort gebündelt.

> Kostenlos / 6,25 Euro pro Person

Teilen Sie den Inhalt: